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Unsere nächsten Konzerte

21. und 22. April 2018, Rudolf Steiner Schule, Ittigen

«Couleurs solennelles»

Antonin Dvorak (1841 -1904)

Te Deum

für Soli, Chor und Orchester

Simon Heggendorn (*1982)

Saturation

Concerto for Strings with Jazzviolin & Double Bass
(Uraufführung)

Francis Poulenc (1899 - 1963)

Gloria

für Sopran, Chor und Orchester

Sophie Klussmann - Sopran
Milan Siljanov - Bass
Simon Heggendorn - Violine
André Pousaz - Kontrabass
Cantate Chor Bolligen
Orchester Le buisson prospérant
Daniel Kagerer - Konzertmeister
Jörg Ulrich Busch - Leitung

Konzertlokal

Rudolf Steiner Schule
Ittigenstr. 31
3063 Ittigen

Die Rudolf Steiner Schule erreichen Sie mit der S-Bahn Nr. 7 Richtung Worb.
Ab Station Ittigen 15 Min. zu Fuss.
Ab Station Bolligen mit dem Ortsbus NFB 47 Richtung Mannenberg bis Haltestelle Ittigen Mannenberg (neben der Rudolf Steiner Schule).

Antonin Dvorak


Antonín Dvořák wurde 1841 als Sohn eines Gastwirts geboren. Eigentlich sollte er Metzger werden, er ging aber als Sechzehnjähriger nach Prag, um an der Organistenschule zu studieren. 1862 war er als Bratschist am Prager Nationaltheater tätig. Die Musik von Liszt, Wagner und Schumann beeindruckte ihn besonders. Er erhielt auf Vermittlung von Johannes Brahms 1875 ein Staatsstipendium.
1892-1895 leitete er das National Conservatory in New York, ab 1901 das Prager Konservatorium. Er wird als der tschechische Brahms bezeichnet. In seinen Werken verbindet er die klassische und romantische Musik mit Elementen der Folklore und entwickelte einen eigenen temperamentvollen und volkstümlichen Stil, der ihn neben Smetana zum Hauptrepräsentanten der nationalen tschechischen Musik machte. Dvořák starb am 1. Mai 1904 in Prag.

Te Deum
Das Te Deum opus 103 komponierte Antonín Dvořák im Jahr 1892 in New York anlässlich der 400-Jahr-Feier von Christoph Kolumbus' Entdeckung Amerikas. Der Kompositions-
auftrag stand dabei im Zusammenhang mit der Einladung, für zwei Jahre die Leitung des National Conservatory of Music zu übernehmen. Die Skizze des Werks stand in kaum einer Woche, in einem Monat hatte Dvořák das Te Deum vollendet. Die Partitur versah er am 28. Juli 1892 mit der Widmung Komponiert zu Ehren des Gedenkens an Kolumbus. 1892 wurde das Werk in der Carnegie Hall in New York der Weltöffentlichkeit präsentiert. Die Uraufführung des Te Deum fand mit 250 Chorsängern statt.

Johannes Brahms soll die Wucht des Werks einmal scherzhaft kommentiert haben: «Das Te Deum ist wohl für die Feier der Zerstörung Wiens und Berlins durch die Böhmen gedacht und scheint mir dafür auch recht geeignet.»

Die vier effektvoll kontrastierenden Teile erinnern an Giuseppe Verdi und an Anton Bruckner. Dass es sich mehr um ein Konzertwerk als eine liturgische Komposition handelt, zeigt sich am gleichsam architektonischen Aufbau, dessen vier Teile das Sinfonie-Schema erkennen lassen.

Francis Poulenc


Francis Poulenc wurde am 7. Januar 1899 in Paris geboren. Von seiner Mutter erhielt er bereits frühzeitig Klavierunterricht und legte mit 18 Jahren erste Kompositionen vor. Von 1921 bis 1924 nahm er Kompositions- und Theorieunterricht bei Charles Koechlin und Maurice Ravel. Gemeinsam mit Arthur Honegger, Georges Auric, Darius Milhaud, Germaine Tailleferre und Louis Durey bildete Poulenc die Groupe des Six, einen Verband in Paris, der die deutsche Romantik ablehnte, ohne jedoch daraus ein weiteres Programm abzuleiten.

Poulencs Kompositionen sind geprägt durch eine eigen- und einzigartige Mischung von Einfachheit und Witz, tiefer Empfindung und Religiosität.

Die zwei wesentlichen Elemente seiner Musik sind Melodie und Rhythmus. Die Melodien sind von einer besonderen Lebendigkeit und einem klaren Rhythmus geprägt. Von diesem Spannungsverhältnis werden Ausdruck und Form bestimmt. Durchsichtigkeit und Reinheit der musikalischen Linie verbinden sich mit einer typisch französischen Eleganz, und dadurch wirkt diese Musik raffiniert, stellt Klarheit, Mass, Anmut und sinnliche Freude der Tragik gegenüber.

Gloria
Das Gloria ist das oratorische Alterswerk von Francis Poulenc. In einem Brief vom Juni 1959 an Simone Girard spricht er indirekt von den Verlusten aus seinem Freundeskreis in den vergangenen zehn Jahren: Jacques Thibaud, Paul Eluard, Arthur Honegger, sein Partner Julien Roubert und andere mehr. Er schreibt (nach der Komposition des Stabat Mater): «Jetzt ist es nötig, sich auf das Gloria zu richten. Genug Schmerz, genug Leidenschaft! Zugegeben, vom Stabat Mater an bis zur Voix Humaine war das Leben nicht zum Lachen, aber ich denke, dass all die schmerzlichen Erfahrungen zu meiner Bewährung nötig waren. Jetzt ist es genug, Friede!… Friede!»

Das Gloria entstand im Rahmen eines Kompositionsauftrags der Koussewitzky-Foundation für eine grosse Orchestersymphonie. Er schaffte es, den Auftrag so umzulenken, dass er ein grosses Vokalwerk schreiben konnte. Entsprechend ist das Gloria von Poulenc als Chorsymphonie betitelt. Es besteht aus sechs Sätzen und ist in einem festlich-tänzerischen Ton gehalten. Poulenc komponiert mit sinnlich-klarer Melodik, instrumentiert das Orchester in glanzvoller Weise und experimentiert mit dem lateinischen Text. Das geradezu kecke Laudamus te löste bei der Uraufführung 1961 einen Skandal aus, den Poulenc nicht verstehen konnte: «Ich habe einfach, als ich das Laudamus komponierte, an jene Fresken von Gozzoli gedacht, auf
denen die Engel die Zunge herausstrecken, und auch an jene ernsten Benediktinermönche, die ich eines Tages beim Fussballspiel gesehen habe.» So rechtfertigte sich der Komponist einerzeit.

Zu den raschen und lebhaften Sätzen I, II, IV und VI stehen der III. und V. Satz in einem deutlichen Kontrast. Diese Sätze sind sehr langsam und in beiden singt der Soprano solo. Sie vermitteln etwas von Poulencs aufrichtiger und tiefer Religiosität.

Der Mönch (le moine) Poulenc und der Lausbube (le voyou) Poulenc leben somit im Gloria in vollendeter Seligkeit.

Simon Heggendorn


Biografie siehe weiter unten unter Solisten.

Saturation (Uraufführung)
Das dreisätzige Stück für Streichorchester mit solistischer Jazzvioline und Kontrabass vereint verschiedene Stile zu einem neuen Ganzen. Der erste Satz ist der jazzigste. Der Improvisation liegt hier die Form des Mollblues zugrunde.

Der zweite Satz könnte im Bereich der Filmmusik angesiedelt werden. Ein schwebendes melodisches Motiv wird von der Violine im Verlauf des Satzes improvisatorisch weiterentwickelt.

Der letzte Satz ist ein balkanesk–volksmusikalisch angehauchter Tanz, dessen Material sich mal als Bassline im jazzigen Sinn manifestiert und ein anderes Mal in hochromantisch-orchestraler Manier in Erscheinung tritt.

Die Soloparts sind so gestaltet, dass sowohl Kontrabass als auch Violine ihre Stimme teilweise improvisieren. Dieses Konzept hat durchaus Seltenheitscharakter, gehört es doch nicht unbedingt in den Bereich des alltäglichen, dass zwischen Improvisation und geschriebener Musik scheinbar unmerklich hin und her gewechselt wird.

Solistinnen und Solisten

Sophie Klussmann

Ob in Mozarts Konzertarien, die sie weltweit mit Martin Haselböck und der Wiener Akademie sang, oder in der Musik des 20. Jahrhunderts, welche sie mit ihren Kammermusikpartnern wie z.B. dem Berliner Scharoun Ensemble oder dem Pianisten Oliver Triendl aufführt und einspielt – ihr dunkler, warmer Sopran verschmilzt mit den verschiedensten Musikstilen.

Sophie Klussmann singt die grossen Werke von Bach bis Mahler mit Dirigenten wie Marek Janowski, Ingo Metzmacher, Helmuth Rilling und Karl-Heinz Steffens an Orten wie der Philharmonie Berlin, dem Wiener Musikverein, der Tonhalle Zürich, dem Muziekgebouw Amsterdam, dem Théâtre du Châtelet, dem New York City Center und der Concert Hall of National Grand Theatre in Peking.

Die wichtigen Fachpartien hat sie an der Oper Halle gesungen. Bei den Osterfestspielen in Baden-Baden coverte sie Anna Netrebkos Donna Anna, 2016 gab sie ihr Rollendebüt als Micaela (Carmen) in Wuhan/China.

Sophie Klussmann, die bei Thomas Quasthoff und Margreet Honig studierte, arbeitet mit führenden Originalklangspezialisten wie Marcus Creed, Václav Luks oder Attilio Cremonesi. Die Komponisten Christian Jost und Frank Schwemmer schrieben eigens Partien für sie, die an der Komischen Oper Berlin, dem Radialsystem Berlin sowie der Oper Halle aufgeführt wurden.

2018 wird Sophie Klussmann mit Marcus Bosch und der Staatsphilharmonie Nürnberg Mahlers vierte Symphonie singen; sie ist wieder zu Gast beim internationalen Kammermusikfestival Kuhmo/Finnland und wird erstmals beim Rheingau Festival auftreten.

  • Sophie Klussmann
  • Milan Siljanov - Bass-Bariton

    Milan Siljanov ist seit der Spielzeit 2016/2017 Mitglied des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper, wo er u. a. in Le nozze di Figaro, Il trittico, Jenufa, La Traviata, Hänsel und Gretel, Ariadne auf Naxos, Lady Macbeth von Mzensk, The Consul, Macbeth, Don Carlos und Die Gezeichneten zu hören ist.

    Als Samling Artist studierte er an der Guildhall School of Music & Drama in der Klasse von Prof. Rudolf Piernay. Er gewann zahlreiche Preise, darunter die Wigmore Hall/Kohn Foundation International Song Competition 2015 und den 1. Preis sowie den Publikumspreis der 50. International Vocal Competition ’s-Hertogenbosch.

    Er war Finalist der prestigeträchtigen Gold Medal Competition der Guildhall School und wurde in seinen Studien in London von The Worshipful Company of Wax Chandlers und The Independent Opera Scholarship finanziell unterstützt.

    Im Sommer 2016 gab er sein Debut bei der Verbier Festival Academy als Leporello in Mozarts Don Giovanni, wo er mit dem Prix Yves Paternot als versiertester Künstler ausgezeichnet wurde.
    Diesen Sommer kehrt er als Prince de Bouillon in Adriana Lecouvreur nach Verbier zurück – unter der Leitung von Valery Gergiev und neben Anna Netrebko in der Titelrolle. Lieder- und Konzertabende führen ihn in die Wigmore Hall London, der Tonhalle Zürich, ins Auditorium de Lyon und die Victoria Hall Genf.

    Ab der Spielzeit 2018/2019 wird Milan Siljanov Ensemblemitglied an der Bayerischen Staatsoper.

    Simon Heggendorn - Violine, Improvisation, Komposition
    1982 in Bern geboren, gilt Simon Heggendorn als einer der vielseitigsten Geiger der Schweiz. Seine Studien in Klassik und Jazz schloss er 2009 an der Hochschule der Künste Bern 2009 mit Auszeichnung ab. Wegweisend dabei waren seine Lehrer Andy Scherrer, Beni Schmid, Daniel Zisman und Francis Coletta. Kompositionsunterricht erhielt er von Frank Sikora, Christian Henking und Daniel Schnyder. Er ist Preisträger des BEST Trächsel-Stipendiums.

    Sein Interesse gilt den Schnittstellen zwischen klassischer Musik, Jazz und improvisierter Musik. Im Zentrum dieser Tätigkeit steht das Kaleidoscope String Quartet. Das KSQ vereint die klassische Formation des Streichquartetts mit Idiomen der Jazz-, Rock- und Popmusik.

    Das KSQ ist seit 2011 im In- und Ausland präsent, hat 2012 den ZKB-Jazzpreis gewonnen und realisierte zwei CD Produktionen (2011 Magenta, Unit Records / 2015 Curiosity, Traumton Records). Diese enthalten bis auf zwei Stücke ausnahmslos Musik von Simon Heggendorn.

    Als Freelancemusiker tritt er in diversen Projekten in Erscheinung, von Folk, Jazz, Flamenco bis hin zu Barockmusik und Minimalmusik. Dabei hat er mit namhaften Künstlern und Ensembles wie Silvie Courvoisier, Efrat Alony, Nik Bärtsch, Joe Haider, Die Freitagsakademie uva. zusammengearbeitet.
    Im Musikerkollektiv Jazzwerkstatt Bern vertritt er die Streicherfraktion.

    2016 war er bei der Schauspielproduktion von KonzertTheaterBern Die Abenteuer des Tom Sawyer als Bühnenmusiker am Stadttheater Bern tätig.

    André Pousaz - Kontrabass
    André Pousaz wurde am 14. Juli 1983 in Visp (VS) geboren. Seit dem neunten Lebensjahr widmet er sich dem Kontrabassspiel. Nach 10 Jahren Unterricht im Bereich der Klassik bei Solokontrabassist Christian Geiser folgte das Maturadiplom mit Schwerpunkt Musik. Im
    Anschluss nahm er sein Studium an der Musikhochschule Luzern (Abteilung Jazz) auf, welches er 4 Jahre später mit dem Performance-Diplom mit Auszeichnung abschloss. Seine Lehrer waren Heiri Känzig, Wolfgang Zwiauer und Herbie Kopf.

    Auszeichnungen:
    2006 Förderpreis der Friedl Wald Stiftung
    2007 Abschluss mit Auszeichnung im Hauptfach Kontrabass an der Musikhochschule Luzern

    Konzerttätigkeit im Ausland:
    Bolivien, China, Deutschland, England, Frankreich, Holland, Irland, Italien, Japan, Kolumbien, Liechtenstein, Malaysia, Monaco, Österreich, Polen, Russland, Slowakei, Südkorea, VAE

    Orchester "Le buisson prospérant"

    Das Orchester le buisson prospérant setzt sich aus Berufsmusikerinnen und Berufsmusikern zusammen, die über weitreichende Orchestererfahrung verfügen und solistisch aktiv sind. Viele MusikerInnen des Orchesters sind Mitglieder des Orchesters des Opernhauses Zürich.

    Jörg Ulrich Busch stellte das Orchester 1999 anlässlich der Gründung der Bach–Vesper der Friedenskirche Bern zusammen. Seit 2005 musiziert das Orchester auch auf Instrumenten in historischer Stimmung. Heute begleitet das Orchester sowohl grosse symphonische Chorwerke der Romantik als auch barocke Kantaten und Werke der Klassik und Moderne unter der Leitung von Jörg Ulrich Busch und tritt in diesem Kontext auch «solistisch» auf.